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Fünf Fliesenmuster nebeneinander mit matter, glänzender und strukturierter Oberfläche
Albert Neziraj in Arbeitskleidung in einem Bad im Rohbau
Albert NezirajIhr Fliesenleger

Fliesen-Eigenschaftenund was sie bedeuten

Auf jedem Datenblatt stehen Abriebgruppe, Rutschhemmung, Wasseraufnahme und Oberfläche. Für Ihren Raum brauchen Sie selten alle vier. Welche zählen, sage ich Ihnen vor dem Kauf.

Werte nach NormBeratung vor dem KaufAufmaß vor Ort

Raumübersicht

Vom Schlafzimmer bis zum Balkon

Vier Räume, vier Anforderungen. Im Schlafzimmer genügt fast jede Fliese, auf dem Balkon fällt die Hälfte des Sortiments durch.

Wohnraum und Schlafzimmer

Hier wird meist barfuß oder in Hausschuhen gegangen, und es kommt kaum Wasser auf den Boden. Die Anforderungen sind deshalb die niedrigsten im ganzen Haus.

Abriebgruppe
PEI 3
Rutschhemmung
R 9
Barfußbereich
ohne
Frostsicher
nein

Küche, Flur und Diele

Straßenschuhe tragen Sand herein, und der wirkt auf der Glasur wie Schleifpapier. Diese Räume sind im Wohnbereich die am stärksten beanspruchten Flächen.

Abriebgruppe
PEI 4
Rutschhemmung
R 9 bis R 10
Barfußbereich
ohne
Frostsicher
nein

Bad und bodengleiche Dusche

Sobald eine Fläche nass und ohne Schuhe begangen wird, zählt die Barfußgruppe mehr als die R-Klasse. Das betrifft die Duschfläche selbst und den Bereich davor.

Abriebgruppe
PEI 3 bis 4
Rutschhemmung
R 10
Barfußbereich
Gruppe B
Frostsicher
nein

Terrasse und Balkon

Draußen zählt vor allem die Wasseraufnahme. Nimmt der Scherben Wasser auf, sprengt ihn der Frost im Winter, und daran ändert auch eine hohe Abriebgruppe nichts.

Abriebgruppe
PEI 4 bis 5
Rutschhemmung
R 11
Barfußbereich
ohne
Frostsicher
ja

Die Werte sind Richtwerte für den Wohnbau. Eine Angabe zum Barfußbereich wird nur dort verlangt, wo eine Fläche nass und ohne Schuhe begangen wird.

Abriebgruppe

Abriebgruppen von PEI 1 bis PEI 5

Die Abriebgruppe, auch PEI-Klasse genannt, beschreibt den Oberflächenverschleiß glasierter Fliesen. Geprüft wird nach DIN EN ISO 10545-7, und die Einteilung reicht von PEI 1 bis PEI 5. Je höher die Zahl, desto widerstandsfähiger die Glasur gegen Schleifen, Reiben und Kratzen.

PEI 1

Nur die Wand

Die unterste Gruppe ist für Böden gar nicht zugelassen. Sie sitzt dort, wo überhaupt nichts auf der Fläche läuft, also etwa an der Wand über der Arbeitsplatte oder hinter der Wanne.

Stufe 1 von 5: PEI 1
PEI 2

Wenig genutzt

Räume, die nur selten betreten werden und in denen barfuß oder auf weichen Sohlen gegangen wird. Das Schlafzimmer ist der typische Fall dafür, und mehr muss die Glasur nicht aushalten.

Stufe 2 von 5: PEI 2
PEI 3

Wohnräume

Normale Nutzung im privaten Bereich. Für Wohnzimmer, Esszimmer und das Bad reicht diese Gruppe in aller Regel völlig aus, und mehr bringt dort keinen messbaren Vorteil.

Stufe 3 von 5: PEI 3
PEI 4

Küche und Flur

Hier wird mit Straßenschuhen gegangen. Sand und kleine Steinchen wirken wie Schleifmittel, dazu kommen heruntergefallenes Geschirr und häufige feuchte Reinigung.

Stufe 4 von 5: PEI 4
PEI 5

Starker Verkehr

Gewerbliche und öffentliche Flächen mit dauerndem Publikumsverkehr. Im privaten Wohnbereich wird diese Gruppe praktisch nie gebraucht, sie schadet dort aber auch nicht.

Die Gruppe sagt, für welche Belastung eine Fliese gemacht ist.

Stufe 5 von 5: PEI 5

Die Gruppe gilt nur für glasierte Fliesen. Unglasiertes Feinsteinzeug trägt den Verschleißwiderstand im Scherben selbst, dort bleibt der Abrieb praktisch unsichtbar.

Wasseraufnahme

Der Frost sprengt den vollgesogenen Scherben

Ein poröser Scherben saugt sich mit Regenwasser voll. Gefriert es, dehnt es sich aus und sprengt die Fliese von innen. Deshalb steht auf jedem Datenblatt, wie viel Wasser der Scherben aufnimmt.

GruppeWasseraufnahmeEinsatz
Gruppe BIaE ≤ 0,5 %Dichtester Scherben, frostsicher. Innen und außen, als Feinsteinzeug bekannt.
Gruppe BIb0,5 bis 3 %Frostsicher nach Prüfung, innen und außen. Üblich als Steinzeug bezeichnet.
Gruppe BIIa3 bis 6 %Nur für Innenräume. Nicht frostsicher und damit nichts für Terrasse oder Balkon.
Gruppe BIIb6 bis 10 %Nur innen. Der Scherben nimmt deutlich Wasser auf und dehnt sich dabei aus.
Gruppe BIIIüber 10 %Wandfliesen im Innenraum. Als Steingut bekannt, porös und nicht für Böden.

Einteilung nach DIN EN 14411. Der Buchstabe B steht für das Trockenpressverfahren, das bei Wand- und Bodenfliesen üblich ist. Die Frostbeständigkeit wird im Frost-Tau-Wechsel nach DIN EN ISO 10545-12 geprüft. Auch eine frostsichere Fliese kann Frostschäden zeigen, wenn der Untergrund darunter Wasser hält.

Rutschhemmung

Barfuß zählt die Gruppe mehr als die R-Klasse

Die R-Klasse beschreibt, bis zu welchem Neigungswinkel ein Schuh auf der nassen Fläche noch greift. Geprüft wird auf der schiefen Ebene. Für Barfußflächen gilt daneben eine zweite Skala.

  • Trockener Wohnraum ohne Nässe

    mindestens R 9

    Die unterste Klasse hält einen Neigungswinkel von 6 bis 10 Grad. Mehr braucht ein Raum nicht, in dem weder Wasser noch Fett auf den Boden gelangen, und die Reinigung bleibt dadurch einfach.

  • Küche, Bad und Hauswirtschaftsraum

    mindestens R 10

    Hier liegt regelmäßig Wasser oder Fett auf dem Boden. R 10 deckt einen Winkel von 10 bis 19 Grad ab und ist im Wohnbau der meistverlegte Wert für genau diese Räume.

  • Die bodengleiche Dusche im Bad

    R 10 mit Gruppe B

    Barfuß gilt eine eigene Skala. Für nasse Barfußflächen gilt mindestens Gruppe B, und diese Angabe wiegt in der Dusche schwerer als die R-Klasse für den beschuhten Gang.

  • Terrasse, Balkon und Außentreppe

    mindestens R 11

    Draußen kommen Regen, Laub und im Winter Eis dazu. R 11 deckt 19 bis 27 Grad ab. Entscheidend ist hier zusätzlich die Wasseraufnahme, sonst sprengt der Frost die Fliese von innen.

  • Der Raum ist eine Arbeitsstätte

    Vorgabe statt Wahl

    In Praxen, Läden und Küchen mit Personal gibt das Arbeitsstättenrecht die Klasse vor, und der Betreiber muss sie belegen können. Die Auswahl ist dort keine Geschmacksfrage mehr.

Die Klassen R 9 bis R 13 gelten für den Gang mit Schuhen, die Gruppen A bis C für nasse Barfußflächen. Seit Dezember 2021 regelt die DIN EN 16165 beide Prüfverfahren, sie hat die DIN 51130 und die DIN 51097 abgelöst. Auf vielen Datenblättern stehen die alten Nummern weiterhin.

Oberfläche

Matt, glänzend, poliert, strukturiert

Matt, glänzend, poliert oder strukturiert ist zuerst Geschmackssache. Im Alltag merken Sie den Unterschied trotzdem: daran, wie viel Licht die Fläche zurückwirft, wie griffig sie nass ist und wie oft Sie zum Lappen greifen.

PFLEGELEICHT

Matt und glatt

Matte Oberflächen schlucken das Licht und wirken ruhig. Kalkränder, Spritzer und Fingerabdrücke fallen kaum auf, und die Rutschfestigkeit liegt höher als bei glatten glänzenden Flächen. Im Alltag die unauffälligste Wahl.

ZEIGT JEDEN KALK

Glänzend glasiert

Der Glanz entsteht hier durch eine glasartige Glasur und nicht durch mechanische Politur. Farben wirken dadurch tiefer und der ganze Raum heller. Der Preis dafür ist Sichtbarkeit: Kalk, Wassertropfen und Staub zeigen sich dort sofort auf der gesamten Fläche.

HOHER AUFWAND

Poliert, Lappato

Poliert wird mechanisch so lange geschliffen, bis die Fläche richtig spiegelt. Die teilpolierte Variante heißt hier Lappato und mischt matte mit glänzenden Zonen. Beide sehen sehr edel aus und verlangen dafür im Alltag ganz klar den höchsten Reinigungsaufwand.

GRIFFIG IM NASSEN

Mit Struktur

Eine dreidimensionale Textur erhöht die Reibung spürbar, ohne dass die Fliese dabei stumpf wirken muss. Draußen und in der Dusche ist das in aller Regel die sichere Wahl. Dafür setzt sich Schmutz in der Struktur fest und muss von Hand herausgebürstet werden.

Die Oberfläche wirkt auf die Rutschhemmung ein, ersetzt die geprüfte Klasse aber nicht. Maßgeblich bleibt der Wert auf dem Datenblatt.

Einordnung

Keine Angabe misst Qualität

Jede Angabe misst eine Eigenschaft, und keine davon misst Qualität. Die höchste Stufe ist deshalb selten die richtige.

Was die Angaben sagen

  • Die Abriebgruppe zeigt, wie lange die Glasur Sohlen und eingetragenen Sand aushält.
  • Die Rutschhemmung nennt den Neigungswinkel, bei dem ein beschuhter Fuß noch greift.
  • Die Wasseraufnahme sagt, ob die Fliese den Frost auf Terrasse und Balkon übersteht.
  • Die Barfußgruppe gilt allein für solche Flächen, die nass und ohne Schuhe begangen werden.
  • Rektifizierte Kanten sind auf 90 Grad geschliffen und erlauben dadurch sehr schmale Fugen.

Was sie nicht sagen

  • Keine einzelne Angabe beschreibt die Qualität der ganzen Fliese.
  • Eine hohe Abriebgruppe sagt nichts über die Fleckempfindlichkeit.
  • Die höchste Rutschklasse ist im privaten Bad meist die unpraktischste.
  • Welches Format und welcher Verband zum Raum passen, steht dort nicht.

Format und Verband ergeben sich aus Zuschnitt und Fugenbild und gehören in eine eigene Betrachtung. Rektifizierte Fliesen mit gefaster Kante lassen die Fuge optisch breiter wirken, als sie ist. Der Branchenverband nennt die Beratung zur Fliesenauswahl ausdrücklich als Merkmal eines Fachbetriebs, und dafür ist der Aufmaßtermin da.

Ausführlich zu diesen Werten in der Dusche, im Außenbereich und im gewerblich genutzten Raum:

Fragen

Häufige Fragen zur Auswahl

Kontakt

Vor dem Kauf kurz prüfen lassen

Schreiben Sie mir, welche Fliese Sie im Auge haben und für welchen Raum. Ich sage Ihnen, ob Abriebgruppe, Rutschhemmung und Wasseraufnahme dazu passen und was beim Verlegen daraus folgt. Anrufen können Sie genauso.

Für die Eingangsbestätigung. Ohne Adresse melde ich mich telefonisch.

Fotos helfen, sind aber kein Muss. Schicken Sie sie gern per Mail nach.

Albert Neziraj in Arbeitskleidung in einem Bad im Rohbau
Albert NezirajFliesenlegermeister
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