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Großformatplatte wird mit Saughebern in ein gekämmtes Kleberbett auf Estrich gesetzt

Bodenfliesen verlegen.Großformat beginnt beim Untergrund.

Je größer die Platte, desto weniger verzeiht sie den Boden darunter. Ich prüfe die Ebenheit mit der Richtlatte, bevor ich ein Angebot schreibe, und verlege im Rhein-Ruhr-Gebiet bis 120 Zentimeter Kantenlänge.

FliesenlegermeisterEbenheit nach DIN 18202Aufmaß vor Ort
Albert Neziraj in Arbeitskleidung in einem Bad im Rohbau

„Ich entscheide über die nächsten zehn Jahre dieser Fläche an dem Tag, an dem ich die Latte auf den Estrich lege.“

Albert NezirajFliesenlegermeister
0,25m²Ab hier Großformat
15Jahre im Handwerk
120cmKantenlänge max.

Formate

Großformat beginnt bei 0,25 Quadratmetern

Großformat heißt wenige Fugen und eine ruhige Fläche. Es heißt auch, dass jeder Millimeter im Untergrund sichtbar wird. Bis 60 × 120 Zentimeter setze ich die Platten allein, bei 120 × 120 bespreche ich den Einsatz vorher.

FormatFläche je FlieseEinordnungWas sich ändert
30 × 60 cm0,18 m²klassisches Formatals Einzelplatte gut zu handhaben
60 × 60 cm0,36 m²GroßformatSaugheber, Kleber auch auf die Rückseite
60 × 120 cm0,72 m²GroßformatVersatz nach Datenblatt, Richtung planen
120 × 120 cm1,44 m²GroßformatVerlegerahmen, Platte zu zweit einsetzen

Die Grenze zum Großformat zieht das Merkblatt Großformate des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe bei 0,25 Quadratmetern je Fliese. Betrachtet werden Kantenlängen zwischen 60 und 120 Zentimetern, längere Kanten gelten als Sonderkonstruktion.

Untergrund

Geprüft wird, bevor Kleber kommt

Der Boden, den ich vorfinde, ist die Vorleistung eines anderen Gewerks. Ich prüfe ihn an wenigen Punkten und weiß danach, ob Großformat darauf geht. Das steht vor dem Angebot fest, nicht am ersten Arbeitstag.

DIN 18202

Ebenheit mit der langen Latte

Ich ziehe die Richtlatte mit Messkeil über die ganze Fläche, nicht nur an einer Stelle. Was über der Toleranz liegt, kommt vollflächig in die Ebene. Liegt die Vorleistung außerhalb der Norm, melde ich schriftlich Bedenken an.

DIN 18560

Die Restfeuchte im Estrich

Die Belegreife wird mit dem CM-Gerät gemessen und nicht geschätzt. Zementestrich darf höchstens 2,0 CM-Prozent tragen, beheizt 1,8, Calciumsulfatestrich 0,5. Wer zu früh fliest, bekommt Hohlstellen und gelöste Platten.

Grundierung

Saugfähigkeit des Bodens

Staub, Öl und lose Teile kommen runter, danach wird grundiert. Saugende Zementestriche bekommen Tiefengrund, glatte und dichte Flächen einen Haftgrund. Anhydritestrich ohne Grundierung zieht Wasser aus dem Kleber.

Risskontrolle

Haarrisse im Untergrund

Ein Riss im Estrich arbeitet weiter und setzt sich mit der Zeit durch den Belag fort. Eine Entkopplung unterbricht diesen Weg, ersetzt aber keine Sanierung: aktive oder tiefe Risse werden vorher einzeln und fachgerecht geschlossen.

Die Prüfung der Vorleistung gehört zum Auftrag. Die ATV DIN 18352 verlangt sie, und § 4 Absatz 3 der VOB/B regelt, wie Bedenken angezeigt werden.

Toleranz

Nach DIN 18202 ist mehr erlaubt, als man denkt

Auf einem unebenen Boden lässt sich fliesen, nur nicht großformatig: die starre Platte kippelt auf der Kuppe und liegt über der Mulde hohl. Im Dünnbett gleicht das niemand mehr aus, dafür ist die Schicht zu dünn. Die DIN 18202 erlaubt dabei mehr, als die meisten erwarten, und zwar umso mehr, je länger die Messstrecke ist.

  • Messstrecke 0,1 Meter

    0 bis 2 mm
  • Messstrecke 1 Meter

    0 bis 4 mm
  • Messstrecke 4 Meter

    0 bis 10 mm
  • Messstrecke 10 Meter

    0 bis 12 mm
  • Messstrecke 15 Meter

    0 bis 15 mm

Grenzwerte für Untergründe, die einen Bodenbelag aufnehmen sollen, nach DIN 18202, Tabelle 3, Zeile 3. Die strengere Zeile 4 gilt nur, wenn sie vereinbart wurde. Hersteller von Verlegesystemen empfehlen für Großformat deutlich engere Werte, etwa einen Millimeter auf zwei Meter.

Aufbau

Der Aufbau zwischen Estrich und Fliese

Großformat wird eingeschwommen und nicht in ein gekämmtes Bett gedrückt. Der Kleber kommt auf den Boden und zusätzlich auf die Rückseite der Platte, beide Aufträge parallel gekämmt. So entweicht die Luft, statt als Hohlstelle unter der Platte zu bleiben.

Von oben nach unten

  1. Fliese im Großformat

    ab 0,25 m²

    Feinsteinzeug ist dicht, abriebfest und nimmt kaum Wasser auf. Mit der Kantenlänge wächst das Gewicht: eine Platte von 120 × 120 Zentimetern trägt achtmal so viel Fläche wie eine von 30 × 60.

  2. Kontaktschicht

    4 mm Zahnung

    Auf die Rückseite der Platte kommt eine dünne Kleberschicht, parallel zum Auftrag auf dem Boden gekämmt. Mindestens 80 Prozent der Rückseite müssen Kleber tragen, beim Großformat zielt die Arbeit auf volle Deckung.

  3. Gekämmtes Kleberbett

    Zahnung nach Format

    Flexkleber, in eine Richtung gekämmt und nicht kreisend. Nur so entweicht die Luft beim Einschwimmen, kreisende Riefen schließen sie ein. Eingeschlossene Luft wird später zur Hohlstelle unter der Platte.

  4. Grundierung des Estrichs

    Tiefen- oder Haftgrund

    Die Grundierung reguliert, wie stark der Untergrund saugt, und verbessert die Haftung. Auf Anhydritestrich ist sie Pflicht, sonst entzieht der Estrich dem frischen Kleber sein Anmachwasser.

  5. Ausgleichsschicht

    Nivelliermasse

    Selbstverlaufende Masse bringt die Fläche in die Ebene, bevor die erste Platte liegt. Unter Großformat läuft sie fast immer vollflächig: einzelne Senken zu spachteln verschiebt das Problem an die nächste Kante.

  6. Tragender Estrich

    CM-Messung

    Der tragende Untergrund muss trocken, fest und sauber sein. Die Belegreife wird gemessen und protokolliert, bei beheiztem Estrich besonders genau, weil die Heizung die Restfeuchte in Bewegung hält.

Die Reihenfolge ist verbindlich. Jede Lage setzt voraus, dass die darunter trägt.

Werkzeug

Die Zahnung richtet sich nach der längsten Kante

Die Zahnung des Spachtels bestimmt, wie viel Kleber unter der Platte steht. Zu fein, und die Platte liegt stellenweise hohl. Zu grob, und der Kleber quillt in die Fuge. Die Zuordnung richtet sich nach der längsten Kante der Fliese, nicht nach der Größe des Raums.

6 mm

Bis 10 Zentimeter

Mosaik und kleinformatige Fliesen. Der Kleber steht so dünn, dass jede Unebenheit sofort durchschlägt.

Stufe 1 von 4: 6 mm
8 mm

10 bis 20 Zentimeter

Klassische Wandformate und etwas kleinere Bodenfliesen. Das ist der übliche Standardfall in Bad und Gästezimmer.

Stufe 2 von 4: 8 mm
10 mm

20 bis 30 Zentimeter

Gängige Bodenformate bis 30 × 30 Zentimeter. Der Kleberauftrag auf dem Boden trägt hier noch allein.

Stufe 3 von 4: 10 mm
12 mm

Ab 30 Zentimeter

Alle Großformate, dazu Naturstein und Grobkeramik. Ab hier kommt zusätzlich Kleber auf die Rückseite.

Mindestens 80 Prozent der Rückseite müssen Kleber tragen.

Stufe 4 von 4: 12 mm

Zuordnung nach der längsten Kante der Fliese. Verbindlich bleibt das Datenblatt des Klebers, einzelne Produkte weichen davon ab. Profilierte Rückseiten brauchen mehr.

Verlegeplan

Im Verlegeplan steht vorher, wo die Schnitte landen

Startpunkt auf der Mittelachse

Gearbeitet wird symmetrisch von innen nach außen, damit die zugeschnittenen Platten an beiden Rändern gleich breit auslaufen. Läuft der Raum aus dem Winkel, lege ich die Achse auf die Kante, die beim Eintreten zuerst im Blick liegt.

Richtung bei langen Formaten

Längs verlegt streckt ein Format von 60 × 120 Zentimetern den Raum, quer verlegt staucht es ihn. Ich richte die lange Kante nach dem Hauptlaufweg aus oder nach dem Licht vom Fenster. Diese Entscheidung fällt vor dem ersten Kleber.

Versatz nach dem Datenblatt

Großformatplatten sind herstellungsbedingt leicht gewölbt. Im Halbverband trifft das Ende der einen Platte auf die Mitte der nächsten, genau dort wird der Höhenunterschied sichtbar. Kreuzfuge oder ein Drittelversatz bleiben sicherer.

Rand- und Bewegungsfugen

An Wänden, Türzargen und Übergängen zu anderen Belägen bleibt die Fuge elastisch und wird nicht mit Fugenmörtel geschlossen. Eine starr verfüllte Randfuge nimmt der Fläche jede Bewegung, und die Spannung sucht sich ihren Weg.

Küchenboden aus Feinsteinzeug 60 mal 60 Zentimeter im Kreuzverband
Feinsteinzeug 60 × 60 · Kreuzverband

Ablauf

Vom Aufmaß bis zur Übergabe

Der erste Schritt liegt vor dem Angebot: ohne Messung kein Festpreis. Was dann folgt, läuft in der Reihenfolge, die der Untergrund vorgibt, nicht in der, die am schnellsten aussieht.

  1. 01

    Aufmaß und Messung

    Ich messe Fläche, Ebenheit und Restfeuchte und sehe mir die Übergänge an. Passt die Vorleistung nicht, erfahren Sie das jetzt und nicht später.

    vor dem Angebot
  2. 02

    Ebene herstellen

    Nivelliermasse über die Fläche, Trocknungszeit abwarten, danach grundieren. Dieser Arbeitstag sieht nach wenig aus und trägt später alles.

  3. 03

    Plan und Startpunkt

    Achse, Richtung, Fugenbreite und die Lage der Bewegungsfugen werden festgelegt. Danach liegen alle Schnitte fest, auch die an der Türschwelle.

  4. 04

    Platten setzen

    Kleber beidseitig, Platte mit dem Saugheber ins Bett, mit dem Reibebrett von der Mitte nach außen anklopfen. Nivellierclips halten die Höhe.

  5. 05

    Fugen und Übergabe

    Fugenkreuze und Kleberreste kommen ab, verfugt wird nach Angabe des Mörtelherstellers. Danach gehe ich die fertige Fläche mit Ihnen ab.

    nach 24 Stunden

Estrich, Fußbodenheizung und Sanitäranschlüsse macht ein anderes Gewerk. Ich sage Ihnen vorher, was dort fertig sein muss, damit mein Termin hält.

Fußbodenheizung

Fliesen auf einer Fußbodenheizung

Keramik leitet Wärme gut, deshalb arbeitet eine Fußbodenheizung unter Fliesen mit niedrigerer Vorlauftemperatur als unter Holz oder Teppich. Der beheizte Estrich bewegt sich dafür bei jedem Temperaturwechsel, und das stellt Bedingungen.

Aufheizprotokoll

Das Protokoll vor dem Beginn

Der Heizungsbauer fährt den Estrich kontrolliert hoch und hält Temperaturen und Zeiten fest. Dieses Protokoll sehe ich mir an, bevor ich anfange. Fehlt es, bleibt offen, wie viel Restfeuchte im Estrich steht.

C2 S1 oder C2 S2

Ein Kleber, der mitgehen muss

Estrich, Kleber und Fliese dehnen sich bei jedem Aufheizen und ziehen sich wieder zusammen. Ein starrer Zementkleber hält das nicht dauerhaft aus, auf beheizten Boden kommt deshalb ein verformbarer Flexkleber.

alle 5 Meter

Fugen für die Bewegung

Beheizte Flächen brauchen enger gesetzte Bewegungsfugen als unbeheizte. Hersteller empfehlen spätestens alle fünf Meter eine Feldfuge, dazu elastische Fugen an Türzargen und an jedem Raumübergang.

7 bis 14 Tage

Warten vor dem Aufheizen

Nach dem Verlegen härten Kleber und Fugenmörtel zunächst vollständig aus. Frühestens nach einer Woche geht die Heizung wieder an, bei Großformat eher nach zwei, und dann stufenweise statt in einem einzigen Sprung.

Feinsteinzeug und Naturstein leiten Wärme gut und sind für beheizte Böden geeignet. Im Nassbereich kommt die Abdichtung dazu, auch über der Heizung.

Entkopplung

Die Entkopplung trennt zwei Schichten, die arbeiten

Baustoffe arbeiten. Sie dehnen sich bei Wärme und Feuchte, ziehen sich wieder zusammen, und zwischen Untergrund und Belag entsteht Spannung. Eine Entkopplungsbahn trennt beide Schichten, damit die Bewegung des einen nicht in der Fliese des anderen landet.

Entkopplung eingeplant

  • Holzdielen, OSB- oder Spanplatten als Untergrund
  • Beheizter Estrich, besonders unter Großformat
  • Haarrisse, nachdem sie fachgerecht saniert sind
  • Neue Platten auf fest sitzendem altem Fliesenbelag
  • Terrasse, Balkon und Eingangsbereich im Freien
  • Trockenestrich, der nur kleine Formate freigibt

Entkopplung entbehrlich

  • Rissfreier Beton im trockenen Innenbereich
  • Fester Verbundestrich ohne Fußbodenheizung
  • Kleinformatige Fliesen auf festem Untergrund
  • Wandbekleidung im trockenen Innenbereich

Eine Entkopplung ersetzt keine Untergrundreparatur. Aktive oder tiefe Risse werden vorher geschlossen, sonst arbeiten sie darunter weiter.

Maßstab

Der Maßstab für eine zu hohe Kante

Der häufigste Streit bei Großformat dreht sich um die Frage, ab wann eine Kante zu hoch steht. Rektifizierte Platten mit geschnittenen Kanten erlauben schmale Fugen, sie verzeihen dafür keinen Versatz. Deshalb lege ich den Maßstab offen, bevor jemand danach fragt.

PrüfpunktMaßstabGrundlage
Höhenversatz zwischen zwei Plattenbis 1,3 mm, Höhe einer 5-Cent-MünzeZDB-Merkblatt Höhendifferenzen
Anteil der Platten mit Versatzhöchstens 10 Prozent der FlächeZDB-Merkblatt Höhendifferenzen
Fugenbreite im Großformatmindestens 3 MillimeterFachinformation des ZDB
Versatz im PlattenverbandVorgabe des FliesenherstellersDatenblatt der Fliese
Ebenheit des UntergrundsStichmaß nach MessstreckeDIN 18202, Tabelle 3

Für Höhensprünge zwischen benachbarten Bauteilen gilt Tabelle 3 der DIN 18202 nicht, dafür gibt es ein eigenes ZDB-Merkblatt. Dessen Rechenweg führt in der Praxis zu kaum haltbaren Werten, deshalb hat sich das Maß der 5-Cent-Münze durchgesetzt. Nach ATV DIN 18352 liegt die notwendige Fugenbreite zwischen 2 und 8 Millimetern.

Ausführlich zu Verlegemustern, Kosten, Untergrund und Materialeigenschaften:

Fragen

Häufige Fragen zum Bodenbelag

Kontakt

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Schreiben Sie mir, worum es geht, oder rufen Sie an. Ich melde mich am selben Werktag und sehe mir den Untergrund vor Ort an.

Für die Eingangsbestätigung. Ohne Adresse melde ich mich telefonisch.

Fotos helfen, sind aber kein Muss. Schicken Sie sie gern per Mail nach.

Albert Neziraj nimmt in einem Altbad mit Zollstock und Block Maß
Albert NezirajFliesenlegermeister
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