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Drei aufgebrochene Fliesenmuster zeigen den porösen und den dichten Scherben im Vergleich
Albert Neziraj in Arbeitskleidung in einem Bad im Rohbau
Albert NezirajIhr Fliesenleger

Fliesenarten undwas sie unterscheidet

Steingut, Steinzeug, Feinsteinzeug: Der Unterschied entsteht beim Brennen, nicht beim Preis. Daran hängt, ob eine Fliese an die Wand, auf den Boden oder nach draußen darf.

Arten im VergleichWerte nach NormAufmaß vor Ort

Keramik

Die keramischen Arten

Sie bestehen alle aus gebranntem Ton und aus denselben Rohstoffgruppen. Was sie trennt, ist die Dichte des Scherbens, und die entsteht im Ofen.

Steingut

Der Brand bleibt unter der Sinterungsgrenze, der Scherben behält seine Luftporen. Dafür lässt er sich leicht schneiden und bohren.

Brenntemperatur
< 1.200 °C
Wasseraufnahme
bis 15 %
Frostbeständig
nein
Einsatz
Wand, innen

Steinzeug

Oberhalb von 1.200 Grad sintert der Scherben zu. Das Material wird dichter, härter und belastbarer und darf damit auf den Boden.

Brenntemperatur
ab 1.200 °C
Wasseraufnahme
bis 3 %
Frostbeständig
ja
Einsatz
Boden, überall

Feinsteinzeug

Fein gemahlene Rohstoffe, hoher Pressdruck, höchste Brenntemperatur. Der dichteste Scherben, dafür anspruchsvoll im Zuschnitt.

Brenntemperatur
bis 1.300 °C
Wasseraufnahme
unter 0,5 %
Frostbeständig
ja
Einsatz
überall

Die Prozentwerte sind Gewichtsprozent Wasseraufnahme. Wie die Norm daraus Gruppen bildet und welche Abriebgruppe und Rutschhemmung dazukommen, steht auf der Seite zu Materialien und Eigenschaften.

Herstellung

Im Ofen entsteht der Scherben

Fliesen zählen zur Feinkeramik, ihre Rohstoffe werden feiner gemahlen als bei Klinker oder Pflaster. Entscheidend für das fertige Material ist neben der Rezeptur vor allem die Temperatur im Ofen und damit die Frage, ob der Scherben sintert.

1.100 °C

Unter der Sintergrenze

Bei Temperaturen unter 1.200 Grad schmelzen die Rohstoffe nicht vollständig zusammen. Im Scherben bleiben Luftporen zurück, und genau die nehmen später Wasser auf. Das Ergebnis heißt Steingut.

Stufe 1 von 3: 1.100 °C
1.200 °C

Die Sinterung setzt ein

Ab dieser Schwelle schmilzt vor allem der Feldspat und fließt in die vorhandenen Poren der Tonmasse. Der Scherben wird dicht, hart und belastbar. Aus derselben Rohstoffgruppe entsteht Steinzeug.

Stufe 2 von 3: 1.200 °C
1.300 °C

Dichtester Scherben

Fein gemahlene Rohstoffe, hoher Pressdruck und die höchste Brenntemperatur ergeben Feinsteinzeug. Es nimmt kaum noch Wasser auf und ist deshalb auch im Freien und bei Frost dauerhaft sicher.

Dieselben Rohstoffe, anderes Brennen. Daran hängt alles Weitere.

Stufe 3 von 3: 1.300 °C

Die Sinterungsgrenze liegt bei rund 1.200 Grad. Unterhalb bleiben Poren im Scherben, oberhalb schließen sie sich.

Sonderfälle

Drei Materialien mit eigenen Regeln

Drei Materialien folgen eigenen Regeln. Sie lassen sich nicht in die Reihe der Brenntemperaturen einordnen, weil sie anders oder gar nicht gebrannt werden.

IMPRÄGNIERPFLICHTIG

Naturstein

Gesägt statt gebrannt. Je nach Gestein bleibt der Stein poröser als Keramik und braucht deshalb eine Imprägnierung gegen Flecken. Dafür leitet Naturstein Wärme sehr gut und passt zur Fußbodenheizung.

NICHT FROSTSICHER

Zementfliesen

Sie werden getrocknet und nicht gebrannt. Dadurch nehmen sie viel Wasser auf, sind nicht frostsicher und bleiben dem Innenraum vorbehalten. Wie Naturstein brauchen sie eine Imprägnierung.

NASS SEHR GLATT

Glasfliesen

Sehr hohe Dichte, die Wasseraufnahme geht gegen null. Der Nachteil liegt auf der Hand: Nass wird die Oberfläche schnell rutschig. Deshalb kommen Glasfliesen fast nur an die Wand.

Zuschnitt, Verlegung und Imprägnierung von Naturstein behandelt die eigene Leistungsseite.

Auswahl

Aus der Dichte folgt der Einsatzort

Aus der Dichte des Scherbens folgt, wo eine Fliese liegen darf. Diese Zuordnung beantwortet die meisten Fragen schon vor dem Blick ins Datenblatt.

  • Wandfläche im trockenen Innenraum

    glasiertes Steingut

    An der Wand wirkt keine mechanische Last, der poröse Scherben stört dort nicht. Die Glasur macht die Oberfläche wasserdicht und unempfindlich gegen Säuren und Flecken, und sie erleichtert die Pflege.

  • Bodenfläche im Wohnraum

    Steinzeug aufwärts

    Ein Boden trägt Möbel, Schuhe und herunterfallende Gegenstände. Der gesinterte Scherben hält das aus, der poröse nicht. Steingut wird auf Böden nur in mäßig belasteten Bereichen und dann sehr dick verlegt.

  • Bad, Dusche und Hauswirtschaft

    kein Steingut am Boden

    Auf der Wand bleibt Steingut im Bad richtig, auf dem Boden nicht. Dort zählt neben der Belastbarkeit die Rutschhemmung, und die steht als eigene Kennzahl auf dem Datenblatt.

  • Terrasse, Balkon und Außentreppe

    unter 0,5 % Aufnahme

    Gefrierendes Wasser dehnt sich im Scherben aus und sprengt ihn. Feinsteinzeug ist hier die sichere Wahl. Steinzeug darf nach draußen, wenn der Hersteller es ausdrücklich dafür freigibt.

  • Über einer Fußbodenheizung

    Keramik oder Naturstein

    Beide leiten Wärme zuverlässig weiter. Feinsteinzeug gilt wegen seiner Dichte als besonders gut geeignet. Wichtiger als die Art ist der Aufbau darunter und ein sauberes Aufheizen nach dem Verlegen.

Frostsicherheit und Gefälle im Außenbereich behandelt die Seite zu Terrasse und Balkon ausführlich.

Verarbeitung

Dichter Scherben, aufwendigerer Zuschnitt

Derselbe Unterschied, der über die Frostsicherheit entscheidet, wirkt sich auf der Baustelle aus. Je dichter der Scherben, desto aufwendiger der Zuschnitt.

ArtBearbeitungFolge für die Baustelle
SteingutleichtSchneiden, Brechen und Bohren gelingen mit einfachem Werkzeug, der poröse Scherben gibt nach.
SteinzeugmittelLässt sich gut bearbeiten. Für saubere Kanten lohnt sich trotzdem gutes Werkzeug.
FeinsteinzeuganspruchsvollHart und dicht. Exakte Zuschnitte brauchen besseres Werkzeug und mehr Zeit auf der Baustelle.

Der Mehraufwand beim Zuschnitt erklärt einen Teil des Preisunterschieds zwischen den Arten. Welche Formate ich allein setzen kann, bespreche ich beim Aufmaß.

Oberfläche

Glasiert oder unglasiert

Die Glasur ist eine aufgeschmolzene Schicht auf dem Scherben. Je dichter das Material darunter von sich aus ist, desto weniger braucht es die Glasur.

Wofür die Glasur gebraucht wird

  • Die Glasur macht die Oberfläche wasserdicht und schützt den Scherben darunter zuverlässig.
  • Sie ist beständig gegen Säuren, Flecken und Schmutz und erleichtert damit die laufende Pflege.
  • Erst durch die Glasur darf poröses Steingut überhaupt in Bad, WC und Küche eingesetzt werden.
  • Farbe und Dekor sitzen in der Glasur, deshalb ist die Gestaltungsfreiheit dort am größten.
  • Für Wandflächen im Innenraum ist die glasierte Fliese der übliche und der günstigere Weg.

Wann es ohne geht

  • Gesintertes Steinzeug ist auch ohne Glasur wasserundurchlässig.
  • Ohne Glasurschicht ist die Oberfläche widerstandsfähiger gegen Kratzer.
  • Der Scherben ist durchgefärbt, bei Abrieb entsteht kein sichtbarer Schaden.
  • Poliertes Feinsteinzeug gehört trotzdem nicht in die Dusche, nass wird es glatt.

Welche Oberfläche sich wie reinigen lässt und welche Rutschhemmung sie mitbringt, steht auf der Seite zu Materialien und Eigenschaften. Welche Art zu Ihrem Raum passt, sehe ich mir beim Aufmaß an.

Die Eigenschaftsskalen, die Naturstein-Verlegung und der frostsichere Außenaufbau stehen jeweils auf einer eigenen Seite.

Fragen

Häufige Fragen zu den Arten

Kontakt

Vor dem Kauf die Art klären

Sagen Sie mir, welcher Raum gefliest werden soll und was Sie sich vorstellen. Ich sage Ihnen, welche Art dafür zugelassen ist und welche nicht, bevor das Material bestellt ist. Anrufen können Sie genauso.

Für die Eingangsbestätigung. Ohne Adresse melde ich mich telefonisch.

Fotos helfen, sind aber kein Muss. Schicken Sie sie gern per Mail nach.

Albert Neziraj in Arbeitskleidung in einem Bad im Rohbau
Albert NezirajFliesenlegermeister
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