Steingut
Der Brand bleibt unter der Sinterungsgrenze, der Scherben behält seine Luftporen. Dafür lässt er sich leicht schneiden und bohren.
- Brenntemperatur
- < 1.200 °C
- Wasseraufnahme
- bis 15 %
- Frostbeständig
- nein
- Einsatz
- Wand, innen
Rhein-Ruhr und Umgebung
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Steingut, Steinzeug, Feinsteinzeug: Der Unterschied entsteht beim Brennen, nicht beim Preis. Daran hängt, ob eine Fliese an die Wand, auf den Boden oder nach draußen darf.
Keramik
Sie bestehen alle aus gebranntem Ton und aus denselben Rohstoffgruppen. Was sie trennt, ist die Dichte des Scherbens, und die entsteht im Ofen.
Der Brand bleibt unter der Sinterungsgrenze, der Scherben behält seine Luftporen. Dafür lässt er sich leicht schneiden und bohren.
Oberhalb von 1.200 Grad sintert der Scherben zu. Das Material wird dichter, härter und belastbarer und darf damit auf den Boden.
Fein gemahlene Rohstoffe, hoher Pressdruck, höchste Brenntemperatur. Der dichteste Scherben, dafür anspruchsvoll im Zuschnitt.
Die Prozentwerte sind Gewichtsprozent Wasseraufnahme. Wie die Norm daraus Gruppen bildet und welche Abriebgruppe und Rutschhemmung dazukommen, steht auf der Seite zu Materialien und Eigenschaften.
Herstellung
Fliesen zählen zur Feinkeramik, ihre Rohstoffe werden feiner gemahlen als bei Klinker oder Pflaster. Entscheidend für das fertige Material ist neben der Rezeptur vor allem die Temperatur im Ofen und damit die Frage, ob der Scherben sintert.
Bei Temperaturen unter 1.200 Grad schmelzen die Rohstoffe nicht vollständig zusammen. Im Scherben bleiben Luftporen zurück, und genau die nehmen später Wasser auf. Das Ergebnis heißt Steingut.
Stufe 1 von 3: 1.100 °CAb dieser Schwelle schmilzt vor allem der Feldspat und fließt in die vorhandenen Poren der Tonmasse. Der Scherben wird dicht, hart und belastbar. Aus derselben Rohstoffgruppe entsteht Steinzeug.
Stufe 2 von 3: 1.200 °CFein gemahlene Rohstoffe, hoher Pressdruck und die höchste Brenntemperatur ergeben Feinsteinzeug. Es nimmt kaum noch Wasser auf und ist deshalb auch im Freien und bei Frost dauerhaft sicher.
Dieselben Rohstoffe, anderes Brennen. Daran hängt alles Weitere.
Stufe 3 von 3: 1.300 °CDie Sinterungsgrenze liegt bei rund 1.200 Grad. Unterhalb bleiben Poren im Scherben, oberhalb schließen sie sich.
Sonderfälle
Drei Materialien folgen eigenen Regeln. Sie lassen sich nicht in die Reihe der Brenntemperaturen einordnen, weil sie anders oder gar nicht gebrannt werden.
Gesägt statt gebrannt. Je nach Gestein bleibt der Stein poröser als Keramik und braucht deshalb eine Imprägnierung gegen Flecken. Dafür leitet Naturstein Wärme sehr gut und passt zur Fußbodenheizung.
Sie werden getrocknet und nicht gebrannt. Dadurch nehmen sie viel Wasser auf, sind nicht frostsicher und bleiben dem Innenraum vorbehalten. Wie Naturstein brauchen sie eine Imprägnierung.
Sehr hohe Dichte, die Wasseraufnahme geht gegen null. Der Nachteil liegt auf der Hand: Nass wird die Oberfläche schnell rutschig. Deshalb kommen Glasfliesen fast nur an die Wand.
Zuschnitt, Verlegung und Imprägnierung von Naturstein behandelt die eigene Leistungsseite.
Auswahl
Aus der Dichte des Scherbens folgt, wo eine Fliese liegen darf. Diese Zuordnung beantwortet die meisten Fragen schon vor dem Blick ins Datenblatt.
glasiertes Steingut
An der Wand wirkt keine mechanische Last, der poröse Scherben stört dort nicht. Die Glasur macht die Oberfläche wasserdicht und unempfindlich gegen Säuren und Flecken, und sie erleichtert die Pflege.
Steinzeug aufwärts
Ein Boden trägt Möbel, Schuhe und herunterfallende Gegenstände. Der gesinterte Scherben hält das aus, der poröse nicht. Steingut wird auf Böden nur in mäßig belasteten Bereichen und dann sehr dick verlegt.
kein Steingut am Boden
Auf der Wand bleibt Steingut im Bad richtig, auf dem Boden nicht. Dort zählt neben der Belastbarkeit die Rutschhemmung, und die steht als eigene Kennzahl auf dem Datenblatt.
unter 0,5 % Aufnahme
Gefrierendes Wasser dehnt sich im Scherben aus und sprengt ihn. Feinsteinzeug ist hier die sichere Wahl. Steinzeug darf nach draußen, wenn der Hersteller es ausdrücklich dafür freigibt.
Keramik oder Naturstein
Beide leiten Wärme zuverlässig weiter. Feinsteinzeug gilt wegen seiner Dichte als besonders gut geeignet. Wichtiger als die Art ist der Aufbau darunter und ein sauberes Aufheizen nach dem Verlegen.
Frostsicherheit und Gefälle im Außenbereich behandelt die Seite zu Terrasse und Balkon ausführlich.
Verarbeitung
Derselbe Unterschied, der über die Frostsicherheit entscheidet, wirkt sich auf der Baustelle aus. Je dichter der Scherben, desto aufwendiger der Zuschnitt.
| Art | Bearbeitung | Folge für die Baustelle |
|---|---|---|
| Steingut | leicht | Schneiden, Brechen und Bohren gelingen mit einfachem Werkzeug, der poröse Scherben gibt nach. |
| Steinzeug | mittel | Lässt sich gut bearbeiten. Für saubere Kanten lohnt sich trotzdem gutes Werkzeug. |
| Feinsteinzeug | anspruchsvoll | Hart und dicht. Exakte Zuschnitte brauchen besseres Werkzeug und mehr Zeit auf der Baustelle. |
Der Mehraufwand beim Zuschnitt erklärt einen Teil des Preisunterschieds zwischen den Arten. Welche Formate ich allein setzen kann, bespreche ich beim Aufmaß.
Oberfläche
Die Glasur ist eine aufgeschmolzene Schicht auf dem Scherben. Je dichter das Material darunter von sich aus ist, desto weniger braucht es die Glasur.
Welche Oberfläche sich wie reinigen lässt und welche Rutschhemmung sie mitbringt, steht auf der Seite zu Materialien und Eigenschaften. Welche Art zu Ihrem Raum passt, sehe ich mir beim Aufmaß an.
Die Eigenschaftsskalen, die Naturstein-Verlegung und der frostsichere Außenaufbau stehen jeweils auf einer eigenen Seite.
Fragen
Feinsteinzeug ist die dichteste Form der Keramikfliese und keine eigene Materialfamilie. Alle gängigen Arten bestehen aus gebranntem Ton, sie unterscheiden sich durch die Brenntemperatur und damit durch die Dichte des Scherbens. Steingut bleibt porös und nimmt bis zu 15 % Wasser auf, Steinzeug sintert zu und kommt auf höchstens 3 %, Feinsteinzeug liegt unter 0,5 %.
Pauschal gibt es die nicht, es kommt auf den Einsatzort an. Feinsteinzeug ist der Allrounder und passt praktisch überall, auch draußen. Steinzeug reicht für die meisten Innenböden aus und lässt sich leichter zuschneiden. Steingut ist an der Innenwand die richtige Wahl und dort auch günstiger. Teurer ist nicht automatisch passender.
Die Grenze zieht die Wasseraufnahme. Für Terrasse, Balkon und dauerhaft nasse Flächen ist Feinsteinzeug mit unter 0,5 % die sichere Wahl. Steinzeug darf nach draußen, wenn der Hersteller es ausdrücklich dafür freigibt. Im trockenen Innenraum reicht Steinzeug aus, und es lässt sich leichter schneiden und bohren.
Steingut gehört im Bad nicht auf den Boden. Der Scherben ist porös und zu wenig belastbar, an der Wand ist er dagegen richtig aufgehoben. Poliertes Feinsteinzeug gehört nicht in die Dusche, weil die geschliffene Oberfläche nass zu glatt wird. Welche Rutschhemmung dort gefordert ist, steht auf der Seite zu Materialien und Eigenschaften.
Keramik und Naturstein leiten Wärme gut und sind dafür geeignet. Feinsteinzeug gilt wegen seiner Dichte als besonders gut geeignet, und alle Natursteine leiten Wärme ebenfalls zuverlässig. Mehr als die Art zählt der fachgerechte Aufbau darunter, also Untergrund, Kleberbett und der Umgang mit der Aufheizphase.
Ja. Beim Aufmaß sehe ich mir an, welcher Raum welche Belastung bekommt, und sage Ihnen, welche Art dafür passt und welche nicht. Das kostet nichts extra und erspart die häufigste Fehlentscheidung, nämlich eine Fliese zu kaufen, die für den vorgesehenen Raum gar nicht zugelassen ist.
Kontakt
Sagen Sie mir, welcher Raum gefliest werden soll und was Sie sich vorstellen. Ich sage Ihnen, welche Art dafür zugelassen ist und welche nicht, bevor das Material bestellt ist. Anrufen können Sie genauso.
